Dienstag 18.10.2016 Augsburg, Kantine

Support: Crowned Kings, Wisdom in Chains

18. Oktober 2016, ein Dienstag. Ich fahre nach der Arbeit nach Augsburg, auf der Autobahn regnet es in Strömen als ob die Welt untergehen würde. Nach 45 min komme ich am Exerzierplatz 25a an, es tröpfelt nur noch. Das kann nur daran liegen das die Legenden des New York Hardcore in der Stadt sind. „Sick of it all“ machen auf dem fünften Teil ihrer 30 Jahre Tour in der Kantine in Augsburg halt. Pünktlich um 19:30 öffnet der Einlass, nix wie rein. Schnell noch ein T-Shirt gekauft und vor der Bühne auf den Startschuss gewartet.

Wie auch schon ersten Teil der Europatour im Frühjahr durften die vier Jungs von „Crowned Kings“ aus Melbourne, Australien, den Abend eröffnen. Die Jungs spielen einen geradlinigen Hardcore ohne Schnörkel, sind daher nicht als herausragend oder besonders einzuschätzen aber dennoch mehr als wert sie sich anzuhören. Sie machen damit nichts Falsch und eignen sich hervorragend um einen solchen Abend zu eröffnen. Allerdings an einem Dienstagabend, bei dem die meisten am nächsten Tag arbeiten werden müssen, hatten sie es schwer die doch zahlreich erschienenen Besucher vor die Bühne zu ziehen. Ein weit gespannter Halbkreis hatte sich vor der Bühne aufgetan, der geneigte Hardcore‘ler hätte sich hier schon einmal ohne Probleme aufwärmen können. Die Stimmung wurde während ihrer Songs besser, die Menge rückte aber dennoch nicht weiter nach vorne, allen Motivationsversuchen zum Trotz.

„Wisdom in Chains“ hatten es hier leider auch nicht leichter. Zwar rückte die Menge ein gutes Stück vor, aber dennoch war meiner Meinung nach zu viel Platz. Was auch „Mad Joe Black“ lautstark bemängelte, schließlich ist man doch auf einem Hardcore-Konzert. Naja, ich genoss auf jeden Fall auch den Nachschlag von den 5 Jungs, hatten sie mich schon im Frühjahr im Münchner Backstage sehr überrascht und ich mir gleich ein paar Scheiben von ihnen in meine Musiksammlung eingepflegt. Es wurden alle Register gezogen, von „we’re not helping“, „Songs to my Killer“ und „People Die“ war für Kenner alles dabei. Die Stimmung wurde auf jeden Fall zunehmend besser. Wäre ja auch zu schade gewesen, das Highlight stand ja noch aus… hatten sich doch alle Anwesenden dafür auf den Weg in die Kantine gemacht. Qualitativ und energiemäßig waren „Wisdom in Chains“ für mich wieder ein Höhepunkt. Mir gefallen die klassischen Metaleinflüsse, eine kleine Verspieltheit in der Gitarrenarbeit, die von „normalen“ Hardcorestyle abweicht und den Sound eine eigene Note gibt. Wer diese Band noch nicht gesehen hat sollte sich das nicht entgehen lassen.

Um kurz vor Zehn enterten Lou & Pete Koller, Armand Majidi und Craig Setari die Bühne. Selbst Lou musste weiter motivieren um das Publikum nach vorne zu bewegen. Schließlich bildete sich doch ein Pit und die Stimmung wurde wie sie sein sollte, wie man sie bei „Sick o fit all“ erwarten muss. Es wurde ein Feuerwerk quer durch die Bandgeschichte abgebrannt. Lou sprang kurzerhand in die Menge und sang mit den Fans, Pete sprang und rannte bis der Boden der Bühne qualmte. Ein „normales“ „Sick o fit all“ Konzert, so wie es sich jeder wünscht. Die Fans wurden nicht enttäuscht. Stagediven und Crowdsurfen wurde ebenfalls ausprobiert. Bei einer fehlenden „Dichte“ an Menschen vor der Bühne war dies allerdings etwas schwierig, diverse Abstürze hielten die Protagonisten nicht davon ab. Für mich war dies eine der besten Arten einen Dienstagabend zu verbringen seit langem. Hier konnte man Energie für den Rest der Woche tanken.„Sick o fit all“ sind zu Recht ein der besten Live-Bands die es auf diesem Planeten. Die 30 Jahre merkt man ihnen nur in der professionellen Art an. Die Nähe zu den Fans und die Dankbarkeit die sie uns gegenüber zeigen, sprechen Bände. Auf ein nächstes Mal in unserer Nähe!

(Text & Bilder: Björn Engelke)